Trotz aller Kritik an der von Google oberhalb der Suchergebnisse eingeblendeten KI-Übersicht lohnt sich ein genauerer Blick darauf, insbesondere im Vergleich mit der klassischen Google-Suche. Denn für manche Anfragen lassen sich damit schnell gute Ergebnisse erzielen.
Die KI-Übersicht kann ähnlich wie ein Chat mit einem Sprachmodell genutzt werden. In die Suchmaske lassen sich auch komplexe Anweisungen mit mehreren Sätzen eingeben. Ein Beispiel hierfür wäre der Prompt:
„Liste mir 100 deutsche Städte auf, in denen es stark besuchte touristische Ziele gibt. Nenne mir zur Stadt jeweils ein bis drei touristische Ziele. Sortiere die Städte nach Bundesland.“
Das Resultat ist eine passend strukturierte Liste mit Städten, korrekt nach Bundesland sortiert. Die Anzahl der Städte ist dabei gleichmäßig über die Bundesländer verteilt, und pro Stadt werden ein bis drei Sehenswürdigkeiten genannt. Dieses Ergebnis gefiel uns sogar besser als eine mit ChatGPT erzeugte Liste, da ChatGPT stur drei Ziele pro Stadt auflistete und dabei teils allgemeine Begriffe wie „Wandern“ als touristisches Ziel aufführte, wenn offenbar kein drittes konkretes Beispiel vorhanden war.
Niemand hätte bis vor kurzem ein gutes Ergebnis erwartet, wenn eine solche Anweisung in die Google-Suchmaske eingegeben wird. Und so verhält sich die herkömmliche Google-Suche auch weiterhin. Die Suchtreffer unterhalb der KI-Übersicht enthalten wie gewohnt Links zu Seiten mit Übersichten, etwa „100 Sehenswürdigkeiten“. Unter den ersten zehn Ergebnissen finden sich jedoch mehr passende Treffer, wenn im klassischen Stil ein kurzer Suchbegriff wie „100 deutsche Städte mit stark besuchten touristischen Zielen“ eingegeben wird. Der präzise formulierte Prompt liefert also in der KI-Übersicht eine exakte Ausgabe im gewünschten Format, führt jedoch zu weniger relevanten Links unter den herkömmlichen Suchergebnissen.
Was heißt das konkret für die Nutzung von Google in der professionellen Recherche?
- Entscheidend ist, sich bereits bei der Formulierung des Suchbegriffs zu überlegen, ob man ein Ergebnis über die KI-Übersicht erzeugen oder die klassischen Suchtreffer durchsuchen möchte. Die Art der Formulierung beeinflusst maßgeblich die Qualität der Resultate. Wer passende Webseiten finden will, sollte weiterhin mit stichwortartigen Suchbegriffen arbeiten. Wer hingegen die KI-Übersicht nutzen möchte, sollte längere Prompts mit Kontext und klaren Anweisungen formulieren. Übrigens lässt sich die KI-Übersicht auch deaktivieren, indem man nach dem Suchbegriff einfach „-ai“ ergänzt.
- Google ist für einzelne Anfragen wie ein Sprachmodell nutzbar. Die Nutzung von ausformulierten Prompts mit Anweisungen in der Google-Suchmaske bietet eine Alternative zum Dialog mit Sprachmodellen. Der große Unterschied zu den Sprachmodellen-Anwendungen bleibt jedoch, dass Google Nachfragen nicht verarbeiten kann. Gibt man nach der Ausgabe der Städteliste etwa den Befehl „Bitte reduziere die Liste auf Ziele, die im Sommer besonders interessant sind“ ein, wird eine völlig neue Liste generiert, die Reiseziele außerhalb Deutschlands enthält.
Von Ida Kandler
