Die Annahme, dass man sich in einem KI-Chat mit einem „eigentlich dummen“ System unterhält, ist wenig hilfreich. Oft führt diese Annahme dazu, dass möglichst ausführliche Prompts geschrieben werden, nur um alles Erdenkliche vorsichtshalber mitzugeben oder auszuschließen.
Effektiver wird die Arbeit mit einem KI-Chat, wenn man sich diesen als den klassischen „zerstreuten Experten“ vorstellt: Dieser weiß sehr genau, was für optimale Ergebnisse zu tun wäre, berücksichtigt dies jedoch im Moment des Handelns ohne expliziten Hinweis nicht. Zielführender als ein ausladender Prompt ist daher eine punktgenaue Anweisung, die das implizite Wissen aktiviert.
Bittet man bspw. um das Erstellen einer Tabelle mit Informationen, die in verschiedenen öffentlichen Quellen zu finden sind, können Halluzinationen nicht ausgeschlossen werden. Fragt man, wie eine konkrete Anweisung aussehen müsste, damit Halluzinationen so weit als möglich vermieden werden, kann das KI-Modell sehr genaue Hinweise geben, wie die Arbeitsanweisungen zu formulieren sind. Das Wissen, wie möglichst korrekte Informationen zusammengestellt werden können, ist also vorhanden, aber eben nur implizit, so dass es nicht zur Anwendung kommt, wenn die Anweisung dies nicht auf den Punkt beinhaltet.
In der Praxis bedeutet dies, dass ein mehrstufiges Vorgehen in der Regel zu besseren Ergebnissen führt als ein einziger umfangreicher Prompt. Konkret könnte das Vorgehen wie folgt aussehen, wenn man bspw. Kennziffern zu einzelnen Unternehmen aus öffentlich zugänglichen Geschäftsberichten und weiteren Dokumenten zusammenstellen und vergleichen will:
- Im ersten Schritt werden die Arbeitsanweisungen vorgegeben, bspw. wie der Output strukturiert werden soll, dass immer mit Quellenangabe zitiert werden muss, oder dass eigene Schätzungen als Fehler gelten.
- Erst im zweiten Schritt erfolgt die Angabe des thematischen Kontextes und/oder der konkreten Quellen, die genutzt werden sollen. Bewährt hat sich, in diesem zweiten Schritt zunächst nur eine Zusammenstellung der Fakten bzw. Zusammenfassung von Inhalten vorzunehmen.
- Weitergehende Analyse- und Interpretationsfragen sind in einem dritten Schritt vorzunehmen.
Die Anweisungen für die jeweiligen Schritte können vorab iterativ erarbeitet werden, indem jeweils abgefragt wird, wie die Anweisung optimal formuliert werden sollte bzw. Ziele vorgegeben werden. Häufig genutzte Anweisungen sollten außerhalb des KI-Modells dokumentiert werden, um auf diese Weise eine Promptbibliothek aufzubauen.
Von Markus Hoffmann
