Ein neuer Beitrag im Tagesspiegel warnt vor einer wachsenden Lücke zwischen dem rasanten Fortschritt der KI und dem Aufbau entsprechender Kompetenzen. Laut dem aktuellen „AI Jobs Barometer“ nehmen weltweit sowohl die Zahl der Stellenanzeigen mit KI-Bezug als auch die Nachfrage der Unternehmen nach KI-Kompetenzen zu. Für Deutschland ergibt sich jedoch ein differenzierteres Bild.
Zwar verändern sich auch hierzulande die beruflichen Anforderungsprofile deutlich. Dieser Wandel orientiert sich bislang jedoch kaum daran, wie stark einzelne Berufe tatsächlich von KI betroffen sind. International entwickelten sich die Kompetenzanforderungen in KI-exponierten Berufen zwischen 2019 und 2025 mehr als doppelt so schnell wie in weniger betroffenen Tätigkeitsfeldern. In Deutschland liegt hingegen der entsprechende Wert bei lediglich 0,02. Stattdessen wird der Kompetenzwandel vor allem durch andere Faktoren wie Demografie, Nachhaltigkeit und Regulierung getrieben.
Dadurch entsteht das Risiko, dass sich der Kompetenzaufbau in Deutschland zunehmend von den Anforderungen entkoppelt, die mit der stärkeren KI-Nutzung einhergehen. Verschärft wird diese Gefahr dadurch, dass Deutschland vor allem als KI-Anwendermarkt gilt, in dem die Nutzung bereits bestehender Systeme im Vordergrund steht.
Entscheidend wird daher, ob KI kompetent eingesetzt oder lediglich konsumiert wird. Neben technischem Anwendungswissen erfordert ein souveräner Umgang mit KI auch Urteilsvermögen, Datenanalysekompetenz, Kommunikations- und Anpassungsfähigkeit sowie kritisches Denken.
Für eine erfolgreiche KI-Transformation braucht man, in anderen Worten, drei Dimensionen:
- Mindset – eine Kultur des Experimentierens,
- Toolset – der Einsatz eigener, auf den jeweiligen Bedarf zugeschnittener Werkzeuge anstelle generischer Lizenzen,
- Skillset – die Fähigkeit, die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine produktiv zu gestalten.
Von Maria Kleiner
Quelle: Tagesspiegel Background, 27.07.2026, von Katharina Holzapfel
