AlgorithmWatch ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Berlin und Zürich, die sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz beschäftigt. Im Juli 2026 untersuchte die NGO die in Googles KI-Übersichten ausgegebenen Antworten bei Suchanfragen zu Wahlen.
Über die „Search Researcher Result API“ von Google analysierte AlgorithmWatch 4.480 Suchanfragen zu den Landtagswahlen 2026 in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sowie zur Abgeordnetenhauswahl in Berlin. Untersucht wurden u.a. die Darstellung politischer Inhalte, wann eine KI-Übersicht erscheint und die dafür verwendeten Quellen.
Dabei zeigten sich Unterschiede je nach Art der Anfrage: Während Fragen zu Umfragen fast nie die Ausgabe einer KI-Übersicht auslösten, gab es bei Fragen zu Parteien oder politischen Personen in 40-50% der Fälle eine KI-Übersicht. Wurde lediglich der Name einer Person zusammen mit ihrer Partei eingegeben, erschien keine KI-Übersicht. Bei konkreten Fragen nach politischen Positionen war dies hingegen fast immer der Fall. Die politischen Positionen seien teilweise mit wertenden Begriffen wie „pragmatisch“ oder „bürgernah“ beschrieben worden oder hätten sich eng an den Selbstdarstellungen der jeweiligen Parteien orientiert. Insgesamt wurden bei Wahlfragen in 39,1% der Fälle eine KI-Übersicht angezeigt, bei unpolitischen Anfragen waren es 65,3%.
Google erklärte auf Nachfrage von AlgorithmWatch, dass KI-Übersicht auf neutrale und objektive Antworten ausgelegt seien und nur eingeblendet werden, wenn ein zusätzlicher Nutzen für Suchende erwartet werde. Nach welchen konkreten Kriterien Google darüber entscheidet, habe Google jedoch intransparent gelassen.
Außerdem stellte die NGO bei den Quellen eine geringe Vielfalt fest: Knapp die Hälfte aller verlinkten Inhalte entfiel auf 10 Domains. Darunter waren häufig vertreten u.a. öffentlich-rechtliche Medien, Zeit Online sowie die Webseiten der Landtage. Am häufigsten wurde allerdings YouTube zitiert, insbesondere bei Suchanfragen zu Kandidierenden. Google weist den Vorwurf zurück, die eigene Plattform zu bevorzugen.
Was bedeutet das für den KI-Einsatz in der professionellen Recherche?
Für demokratische Prozesse ist der Zugang zu einem breiten und verlässlichen Spektrum von Informationen von zentraler Bedeutung – insbesondere im Umfeld von Wahlen, in denen die Qualität und Ausgewogenheit verfügbarer Informationen die öffentliche Meinungsbildung mitprägen.
Für die professionelle Recherche ist dieser Informationszugang ebenfalls relevant. Denn die Aufbereitung und Bereitstellung von Quellen in Suchtools und KI-Systemen beeinflusst auch die Bedingungen professioneller Informationsbeschaffung. Daher bleibt es wichtig, über jede Art von Eigenheiten und möglicherweise systemseitig vorhandene Bias in benutzten Systemen Bescheid zu wissen.
Von Ida Kandler
