Unter dem Stichwort „KI-Debatte“ wurden in den vergangenen beiden Wochen zahlreiche Beiträge über den Umgang mit KI-generierten Texten publiziert. Die Kritik bezog sich hauptsächlich auf die fehlende Kennzeichnung der KI-Nutzung, den angeblich naiven Umgang mit KI-Modellen sowie die Fehleranfälligkeit solcher Texte.
KI ist ein neues Arbeitsmittel und steht daher zu Recht unter besonderer Beobachtung. Aber: Ein verantwortungsvoller Umgang mit Rechercheergebnissen und Formulierungen sollte für jeden Text, der publiziert wird, selbstverständlich sein – das galt schon, bevor es KI-Modelle gab. Korrekte Fakten und die Prüfung von recherchierten Informationen sind grundlegendes Handwerkszeug im Journalismus, in der Analyse und der Politik, unabhängig davon, ob KI im Einsatz war oder nicht.
Sehen wir uns einzelne Kritikpunkte noch einmal genauer an: Der Umstand, dass Texte von Dritten formuliert werden, ist nicht neu. Es hilft daher wenig, den KI-Usern pauschal vorzuwerfen, sie würden den Denkprozess auslagern. Ein klarer Unterschied zwischen menschlicher und KI-Zuarbeit besteht jedoch darin, dass ein menschlicher Ghostwriter eigene Ideen kreieren kann, während ein KI-Modell Texte mittels angeeignetem Wissen und statistischen Wahrscheinlichkeiten erstellt. Eine Kennzeichnungspflicht u.a. für Texte zur Information der Öffentlichkeit – und so sieht es auch der EU AI Act vor – ist also sinnvoll.
Die Tatsache, dass halluzinierte Inhalte und falsche Aussagen von KI-Modellen ausgegeben werden können, eignet sich nicht, den Einsatz von KI zu kritisieren. Informationsmüll im Internet gab es schon lange Zeit vor den KI-Modellen. Wie schon immer müssen Autorinnen und Autoren die Seriosität von Quellen bewerten, Aussagen gegenprüfen und auf Plausibilität checken. Das Übernehmen falscher Aussagen und Daten in publizierte Texte ist somit kein Problem, das erst mit dem Aufkommen von KI-Modellen entstanden wäre. Größer könnte es allerdings werden; das hängt vom Umgang einer jeden Autorin und eines jeden Autors mit den Ergebnissen ab.
Was bedeutet die aktuelle Diskussion für den KI-Einsatz in der professionellen Recherche?
Die aktuelle Diskussion ist sinnvoll, weil sie zur Professionalisierung des Einsatzes von KI beiträgt. Allerdings verstellen die Aufreger-Kritikpunkte zum Teil den Blick auf die eigentlichen Fragen, die für den Umgang mit KI-generierten Inhalten zu klären sind. Beispielsweise wäre das Thema, wie mit vollkommen automatisiert KI-generierten und direkt veröffentlichten Inhalten umzugehen ist, sehr viel dringender eingehend zu diskutieren.
Steht ein Mensch zwischen KI-Unterstützung und Publikation, dann kommt es am Ende auf die dauerhafte Glaubwürdigkeit dieses Autors, dieser Analystin oder Rechercheurs an; und wer glaubwürdig bleiben will, muss für die Richtigkeit seiner Texte einstehen, das gilt bei KI-Einsatz umso mehr. KI kann folglich zur Chance für Publizierende werden, wenn diese die KI als Hebel für die Erstellung von Inhalten nutzen und gleichzeitig für Richtigkeit und Qualität der Inhalte bürgen.
Von Markus Hoffmann
