OpenAI-Reports zur KI-Nutzung in Unternehmen

Wie setzen Unternehmen generative KI inzwischen tatsächlich im Arbeitsalltag ein und was machen wegweisende Unternehmen anders? Zwei neue Untersuchungen von OpenAI geben hierzu einen ungewöhnlich detaillierten Einblick. Grundlage sind anonymisierte Enterprise-Daten. Allein das begleitende Working Paper analysiert bei Unternehmen 6 Monate nach Einführung von ChatGPT mehr als 17 Millionen Nachrichten aus über 1.500 Organisationen. Besonders relevant sind im Kontext der professionellen Recherche folgende Punkte:

KI wird zunehmend nicht nur zum Stellen einzelner Fragen, sondern zur Durchführung ganzer Arbeitsabläufe eingesetzt.
Der KI-Agent Codex von OpenAI hält zunehmend Einzug in den Bereich Wissensarbeit. Seit Februar 2026 ist die Zahl der wöchentlich aktiven Codex-Nutzenden in Unternehmen im Rechtsbereich um das 108-Fache, im Vertrieb um das 41-Fache, in der Personalbeschaffung um das 41-Fache und im Marketing um das 26-Fache gestiegen. OpenAI beschreibt dies als Übergang von „assistance“ zu „execution“: Systeme recherchieren Informationen über mehrere Quellen hinweg, bearbeiten Dateien und führen mehrstufige Aufgaben aus. Damit wird der KI-Einsatz in Unternehmen zunehmend agentengestützt.

Die Nutzung von ChatGPT ist bereits jetzt breit gestreut.
Schreiben, Kommunikation und Informationssynthese zählen zu den häufigsten Anwendungsfeldern. Mehr als die Hälfte der aktiven Nutzenden verwendet ChatGPT für Dokumentation bzw. technisches Schreiben. Als weitere Nutzungsarten werden auch Research, Planung und Datenanalyse sowie regulatorische und finanzielle Aufgaben genannt. Business- und Marktrecherche erreichen zwar viele Nutzende, sind aber weniger interaktionsintensiv und erzeugen weniger Nachrichten als etwa Schreiben.

Die Art der Nutzung hängt vom Fachbereich ab und unterscheidet sich bei Junior- und Senior-Angestellten.
Analysten sowie Beschäftigte aus Marketing und Kommunikation senden innerhalb ihrer Unternehmen überdurchschnittlich viele Nachrichten an ChatGPT. Early-Career-Mitarbeitende und Trainees senden unter den aktiven Nutzenden etwa 8 bis 9 Nachrichten mehr pro Woche als der Durchschnitt innerhalb ihres Unternehmens. Manager, Directors und Executives nutzen das System weniger intensiv und mit einem anderen Schwerpunkt. Bei ihnen sind Interaktionen zu speziellen Themen, Fakten und Zahlen sowie rechtliche und finanzielle Informationen vergleichsweise stark vertreten.

Der Unterschied zwischen Unternehmen wird größer.
Die Nutzungsintensität bei den obersten 10% der Unternehmen hat sich zwischen Januar und Juni 2026 mehr als verdreifacht. OpenAI weist allerdings selbst darauf hin, dass das Tokenvolumen nur ein grober Indikator für Nutzungstiefe ist und kein Maß für den erzeugten wirtschaftlichen Wert darstellt.
Zudem integrieren fortgeschrittene Unternehmen KI stärker in interne Daten und Werkzeuge und nutzen viel häufiger Plugins und wiederverwendbare Skills. Für Rechercheteams dürfte deshalb zunehmend die Frage in den Mittelpunkt rücken, wie erfolgreiche individuelle KI-Workflows dokumentiert, geprüft und als wiederholbare Rechercheprozesse im Team etabliert werden können.

Für professionelle Recherche ist die Verifizierung weiterhin zentral.
Gleichzeitig wird eine zentrale Grenze des KI-Einsatzes in der Recherche und Informationssuche sichtbar. OpenAI stellt heraus, dass wissensbasierte Arbeit schwerer zu automatisieren ist als bspw. Programmierung, weil Aufgaben oft weniger eindeutig spezifiziert werden können und klare Kriterien zur Überprüfung der Ergebnisse fehlen. Gerade in der professionellen Recherche bleiben deshalb Quellenprüfung, Qualitätskontrolle und menschliches Urteil entscheidend.

Von Maria Kleiner

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