Datenschutzfreundliche Suchmaschinen mit KI-Funktionen

Große Suchmaschinen sammeln zahlreiche Informationen über Suchanfragen und das Nutzungsverhalten. Dazu können (je nach Dienst und gewählten Einstellungen) u.a. Such- und Klickverhalten, besuchte Webseiten, App-Aktivitäten, Standortdaten sowie Geräte- und Browserinformationen gehören. Bei Anbietern wie Google können zudem Daten aus verschiedenen Diensten miteinander verknüpft werden. So entsteht ein zunehmend umfassendes Bild der Nutzenden.

Gerade im beruflichen Umfeld wächst daher das Interesse an Alternativen, die keine persönlichen Suchprofile erstellen und das Tracking möglichst begrenzen. Einige dieser Dienste verbinden die klassische Websuche inzwischen mit optionalen KI-Funktionen:

  • DuckDuckGo: Die US-amerikanische Suchmaschine speichert nach eigenen Angaben weder IP-Adressen noch persönliche Suchverläufe. Allerdings gab es beim zugehörigen Browser Ausnahmen für bestimmte Microsoft-Tracker. Ein wesentlicher Teil der Suchergebnisse basiert auf Bing. DuckDuckGo wirbt verstärkt mit einer KI-freien Suche, bietet mit „Duck.ai“ jedoch zugleich einen optionalen KI-Chat an. Dieser kann auf verschiedene Modelle zugreifen, darunter auch GPT. Welches Modell konkret zum Einsatz kommt, kann je nach Funktion und Aufgabe variieren.
  • Ecosia: Die Berliner Suchmaschine hat einen Fokus auf Nachhaltigkeit und arbeitet nach europäischen Datenschutzstandards. Die Suchergebnisse basieren weitgehend auf dem Bing-Index. Für KI-Zusammenfassungen und den integrierten Chat nutzt Ecosia Modelle von Mistral. Nach Angaben des Unternehmens werden nur die für die Bereitstellung erforderlichen Daten verarbeitet. Chatverläufe können lokal im Browser gespeichert werden. Zudem lässt sich in den Einstellungen eine vollständig KI-freie Suche aktivieren.
  • Startpage: Das niederländische Unternehmen, das sich in US-amerikanischem Besitz befindet, stellt unter anderem Google-Suchergebnisse bereit, ohne persönliche Daten direkt an Google weiterzugeben. Startpage speichert nach eigenen Angaben weder IP-Adressen noch Tracking-Cookies. Für zusätzliche Anonymität können Webseiten über eine Proxy-Funktion aufgerufen werden. Die klassische Suche verzichtet auf KI-Zusammenfassungen. Daneben bietet Startpage eine separate private KI-Anwendung mit anonymisiertem Zugang zu Diensten wie GPT oder Claude. Gespräche werden dabei lokal gespeichert und nicht für Tracking genutzt.
  • Qwant: Die französische Suchmaschine positioniert sich als europäische Alternative zu Google und wird auch von öffentlichen Institutionen genutzt. Qwant verzichtet nach eigenen Angaben auf Tracking, Profilbildung und personalisierte Werbung und orientiert sich an europäischen Datenschutzvorgaben. Im Vergleich zu Google oder Bing ist der eigene Suchindex kleiner, weshalb die Ergebnisse teilweise weniger präzise oder umfassend ausfallen können. Zusätzlich bietet Qwant eine KI-Suche auf Basis von Mistral AI an. Dafür ist ein Konto erforderlich; Anfragen werden anonymisiert an Mistral weitergegeben.

Was bedeutet das für den KI-Einsatz in der professionellen Recherche?

Personalisierte Suchprofile können eine Recherche komfortabler machen: Bereits gespeicherte Interessen, frühere Suchanfragen oder Gesprächsverläufe erleichtern wiederkehrende Aufgaben und ermöglichen stärker auf die Nutzenden zugeschnittene Ergebnisse. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Algorithmen bestimmte Quellen und Perspektiven stärker gewichten, während andere relevante Inhalte in den Hintergrund rücken. Datenschutzorientierte Suchmaschinen können diese Profilbildung und Personalisierung begrenzen. Sie bieten somit eine Möglichkeit, Suchergebnisse aus einer anderen Perspektive zu prüfen.

Auch die Integration von KI bringt zusätzliche Abhängigkeiten mit sich. Anfragen können an externe Modellanbieter weitergegeben werden; je nach Dienst sind Konten erforderlich oder Verläufe werden lokal bzw. beim Anbieter gespeichert. Eine KI-gestützte Suche bietet daher nicht automatisch das gleiche Datenschutzniveau wie eine klassische Suche ohne KI-Funktionen.

Von Ida Kandler

Entdecke mehr von Recherche-KI

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen