Diese Woche waren wir bei einer Veranstaltung des Wirtschaftsbeirats Bayern zur Zukunft der Wissensarbeit im KI-Zeitalter. Besonders spannende Einblicke bot der Impulsvortrag von Dr. Andreas Vogel, CEO von Wisdom Bridge AI. Im Mittelpunkt stand ein Anwendungsfeld, das für Unternehmen zunehmend relevant wird: die KI-gestützte Erfassung, Strukturierung und Weitergabe von internem Wissen.
Während KI-basierte Recherche in öffentlich zugänglichen Quellen und die Arbeit mit proprietären Unternehmensdaten in vielen Organisationen bereits etabliert sind, rückt nun eine dritte Ebene der KI-Anwendung in den Fokus: Wissen, das bislang vor allem in den Köpfen von Mitarbeitenden steckt.
Der präsentierte Ansatz konzentrierte sich auf Gespräche zwischen Menschen und KI-gesteuerten Avataren. Einsatzmöglichkeiten sind unter anderem:
- Feedbackgespräche mit Mitarbeitenden
- Stakeholder-Interviews
- Projektmanagement
- Prozessdokumentation
- Onboarding und Wissenstransfer
Ein KI-Avatar führt ein virtuelles Gespräch mit einer oder mehreren Personen, parallel dazu analysieren spezialisierte Monitoring-Agenten die eingehenden Informationen – etwa mit Blick auf Vollständigkeit, Faktenkonsistenz und die Einhaltung der Gesprächsagenda. Grundlage dafür liefert ein Briefing, das der KI-Avatar vorab von fachlich zuständigen Personen erhält. Dieses beinhaltet Gesprächsziele sowie relevante Hintergrundinformationen und bietet somit den Leitfaden für die KI.
Die erfassten Inhalte können anschließend in unterschiedlichen Formaten aufbereitet werden, zum Beispiel als Interviewskript, Onboarding-Guide, Prozessdokumentation oder User Story. So lässt sich Wissen nicht nur sammeln, sondern direkt strukturieren und für die weitere Nutzung verfügbar machen.
Besonders interessant war die Beobachtung, dass sich Menschen gegenüber einem abstrakten KI-Avatar mitunter offener äußern als gegenüber Vorgesetzten oder Kolleginnen und Kollegen, so Vogel. Dies gilt gerade bei sensiblen Einschätzungen oder Informationen, was den Wissenstransfer effizienter und detaillierter macht.
Mit Blick auf das Wissensmanagement in Unternehmen könnte hier ein neues Anwendungsfeld für KI-Tools entstehen. Die systematische Erhebung von Erfahrungswissen, Einschätzungen und Prozesswissen, die bislang ein oft mühsamer Prozess war, könnte mittels des Einsatzes von KI-Tools neu gedacht werden.
Von Maria Kleiner
